Niedersachsen ist nach Schleswig-Holstein das westdeutsche Bundesland mit dem niedrigsten Ausländeranteil in der Bevölkerung. Zum Stichtag 31. Dezember 2009 wurden landesweit knapp 454.000 Einwohner mit auslän-discher Staatsangehörigkeit gezählt. Dies entspricht nach einer vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Erhebung einem Anteil von 6,75 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Die relativ meisten Menschen mit auslän-dischem Pass leben in den Stadtstaaten Hamburg (14,2), Berlin (13,7) und Bremen (12,7).
Die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit ist in 2009 leicht gesunken. Laut Ausländerzentral-register lebten am Jahresende in Deutschland insgesamt 6,69 Millionen Menschen mit ausschließlich ausländischer Staatsangehörigkeit – 32.800 weniger als im Jahr zuvor.
Unter den hier lebenden Ausländern waren 186 verschiedene Nationalitäten vertreten. Türkische Staatsbürger stellten mit einem Anteil von 25 Prozent die größte Gruppe, es folgten Italiener mit 8 Prozent und Polen mit 6 Prozent. Fast 20 Prozent der Personen ohne deutschen Pass wurden in Deutschland geboren.
Rund 133.200 Menschen wurden 2009 eingebürgert, 3.700 mehr als ein Jahr zuvor.
Neu: Beratung auf türkisch und kurdisch
Seit 30 Jahren gibt es den "Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e.V.". Seit etwa 10 Jahren nimmt nach Aussage der Beratungsstelle der Anteil von Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund, die Hilfe suchen, stetig zu. Deshalb wurde nun eine neue Mitarbeiterin eingestellt, Berna Müküs-Kaya, die neben deutsch auch kurdisch und türkisch spricht. Darüber hinaus ist auch eine Beratung in englischer Sprache möglich.
Außerdem gibt es in Kooperation mit der Psychoanalytischen Vereinigung eine transkulturelle Arbeitsgruppe, die sich mit der Bedeutung von Migration im Behandlungskontext befasst.
Der Notruf bietet telefonische wie persönliche Beratungen und psycho-logische Gespräche an. Diese richten sich an Jugendliche und Erwachsene, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind - unabhängig davon wie lange der Übergriff zurückliegt. Auch Freundinnen und Freunde sowie Angehörige von Opfern können sich an die Beratungsstelle wenden.
In der Beratungsstelle sind Psychologinnen tätig, die in der Arbeit mit sexuell Traumatisierten erfahren sind. Für ein persönliches Gespräch sollte vorher ein Termin unter der unten stehenden Telefonnummer vereinbart werden. Außerhalb der Sprechzeiten kann eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen werden.
Psychologische Beratungsstelle des
"Notrufs für vergewaltigte Frauen und Mädchen e.V."
Am Barkhof 32
28209 Bremen
Telefon: 0421/151 81
Eine neue Untersuchung zeigt, dass Deutsche mit türkischem Namen auf dem Arbeitsamt benachteiligt sind
Menschen mit türkischem Namen werden auf dem Arbeitsmarkt eklatant benachteiligt – auch wenn sie deutsche Staatsbürger und Muttersprachler sind. Das geht aus einer Studie der Universität Konstanz hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Die ForscherInnen hatten 1.000 gleichwertige Bewerbungen auf Praktikumsstellen für WirtschaftsstudentInnen verschickt, jeweils per Zufallsprinzip mit deutschem oder türkischem Namen versehen. Alle wurden als deutsche Staatsbürger und Muttersprachler beschrieben. Das Ergebnis: Bewerber mit türkischem Namen erhielten 14 Prozent weniger Zusagen. In kleineren Unternehmen waren es sogar 24 Prozent weniger. Die AutorInnen führen das auf weniger standardisierte Auswahlverfahren zurück, in denen mehr Raum für subjektive Einschätzungen bleibt.
Nur wenn Empfehlungsschreiben früherer Arbeitsgeber beigefügt wurden, hatten die türkisch klingenden BewerberInnen gleiche Chancen. Diese Beobachtung zeige, wie wichtig es sei, den „Teufelskreis“ der Diskriminierung zu durchbrechen, heißt es in dem Forschungsbericht. „Erst wenn benachteiligten Gruppen die Gelegenheit gegeben wird, sich zu beweisen, können sie die Vorurteile ausräumen.“ Dafür sei ein „Umdenken seitens der Arbeitsgeber notwendig, das sich durch Gesetze allein nicht erzwingen lässt.“
taz vom 9. Februar 2010
Auf geringem Niveau verharrt die Einwanderung nach Deutschland. Das geht aus dem neuen Migrationsbericht hervor, den das Bundeskabinett billigte. Danach kamen im Jahr 2008 gut 682.000 Menschen – ähnlich wie in den beiden Vorjahren. Noch in der ersten Hälfte der 90er Jahre wurden pro Jahr mehr als eine Millionen Zuwanderer registriert.
Gelichzeitig gab es 2008 fast 738.000 Fortzüge aus Deutschland – so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Diese Zahl ist laut der Statistiker allerdings wenig aussagekräftig: Zahlreiche Abmeldungen seien auf eine Melde-registerbereinigung zurückzuführen. Von den ausländischen Zuwanderern kamen fast drei Viertel aus Europa, vor allem aus den EU-Staaten. Die größte Gruppe mit rund 120.000 Zuzüglern stellten die Polen, gefolgt von Rumänen, Türken und Ungarn. Gleichzeitig wanderten auch mehr als 108.000 Deutsche in die Bundesrepublik ein. Dabei handelte es sich vorwiegend um zurückgekehrte Auswanderer. Die 4.362 Spätaussiedler, die größtenteils ebenfalls als Deutsche in der Statistik auftauchen, machen hingegen nur noch einen geringen Anteil aus.
(taz vom 4. Februar 2010)
Seit dem 24. Juni 2009 läuft bundesweit die Kampagne "Sie gehören zu uns! Wider den Optionszwang für Kinder unseres Landes". Er wird vom Interkultu-rellen Rat in Deutschland koordiniert.
Die 27 Erstunterzeichner des gleichnamigen Aufrufs fordern die Streichung des Optionszwangs für Kinder nicht-deutscher Eltern aus dem deutschen Staatsangehörigkeitsrecht. Auf der Internetseite www.wider-den-options-zwang.de finden sich der Aufruf und weitere Informationen. Dort kann der Aufruf auch online unterschrieben werden.
Aufruf "Wider den Optionszwang für Kinder unseres Landes" hier
Berlin: (hib/STO) Mit rund 15,3 Millionen Menschen weist etwa ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland einen Migrationshintergrund auf. Dazu zählen sowohl zugewanderte Personen (erste Generation) als auch hier zu Lande Geborene, bei denen mindestens ein Elternteil zugewandert ist (zweite Generation), wie aus dem von der Bundesregierung in einer Unterrichtung vorgelegten "Ersten Integrationsindikatorenbericht" (16/13300) hervorgeht. In dem Bericht, über den der Bundestag erstmals am Donnerstagnachmittag beraten will, werden "der Stand und die Entwicklung von Integration anhand verschiedener Indikatoren" gemessen, wobei als Datengrundlage vor allem die Daten des Mikrozensus 2005, 2006 und 2007 herangezogen wurden. Danach zeigen sich in vielen Bereichen insbesondere bei der zweiten Generation Integrationsfortschritte, "während in anderen Bereichen Unterschiede des Integrationsgrades fortbestehen".
So blieb die Zahl der Einbürgerungen im Verhältnis zur Zahl der Ausländer mit einer Aufenthaltsdauer von zehn und mehr Jahren den Angaben zufolge mit 3,1 Prozent im Jahr 2005, 3,2 Prozent in 2006 und 2,9 Prozent in 2007 "relativ konstant". Die Zahl bikultureller Ehen zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund habe 2005 bei 9,7 Prozent, 2006 bei 9,5 Prozent und 2007 bei 9,7 Prozent gelegen.
Kinder mit Migrationshintergrund besuchen laut Bericht zu einem geringerem Anteil eine Kindertagesstätte als Kinder in der Gesamtbevölkerung: Bei den Drei- bis unter Sechsjährigen besuchten demnach 2007 insgesamt 73,5 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund und 88,7 Prozent der Gesamtbevölkerung eine solche Einrichtung. Während die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss in den Jahren 2005 bis 2007 insgesamt von 8,2 Prozent auf 7,3 Prozent zurückgegangen sei, sei sie bei den Ausländern von 17,5 Prozent auf 16,0 Prozent gesunken.
Wie es in der Unterrichtung weiter heißt, hatten 33,8 Prozent der 25- bis unter 35-Jährigen mit Migrationshintergrund und 15,6 Prozent der gleichaltrigen Gesamtbevölkerung im Jahr 2007 keinen beruflichen oder Hochschulab-schluss. Die Arbeitslosenquote habe 2007 bei Ausländern mit 20,2 Prozent doppelt so hoch gelegen wie in der Gesamtbevölkerung mit 10,1 Prozent. Die sogenannte Armutsrisikoquote habe 2007 in der Gesamtbevölkerung 13,2 Prozent betragen und bei Personen mit Migrationshintergrund 26,8 Prozent. Auf Leistungen der Mindestsicherung seien Ausländer 2007 mit 21,1 Prozent mehr als doppelt so häufig angewiesen gewesen wie in der Gesamtbevölkerung mit 9,5 Prozent.
Beim bürgerschaftlichen Engagement liegen die Quoten der Personen mit Migrationshintergrund laut Studie mit 26,8 Prozent unter denen der Gesamtbevölkerung mit 35,7 Prozent. Für die zweite Generation sei hier indes "eine Angleichung der Engagementquoten an die Gesamtbevölkerung festzustellen.